Chronik von Dorf-Erbach
DORF-ERBACH (kug). Im Rahmen der Sitzung des Ortsbeirats und vor zahlreichen interessierten Bürgern des Stadtteils trug Jakob Lang am Mittwoch, den 7. November im “Dorf-Erbacher-Hof” den zweiten Teil seiner verfassten Dorf-Erbacher Chronik vor. Es ist vorgesehen, die von Lang aus eigenem Erleben, von Überlieferungen seiner Vorfahren sowie aus den Schilderungen älterer Menschen zusammengetragenen Details in Buchform - versehen mit historischen Fotos, Flurkarten und Plänen - zu veröffentlichen. Ortsvorsteherin Ursula Barnack, die den Dank des Ortsbeirats wie auch stellvertretend für alle Bürger des Stadtteils an Jakob Lang für die aufgewandte große Mühe aussprach, rechnet damit, das Werk spätestens Anfang nächsten Jahres vorstellen zu können.
Die in elf Kapitel unterteilte Arbeit Langs geht zurück bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts (ältere Aufzeichnungen sind nur sehr spärlich vorhanden), wobei er nach eigenem Bekunden bewusst auf die Wiedergabe zu vieler Zahlen verzichtete, vielmehr auf die Menschen im Dorf, ihre Lebensumstände und den mit der Zeit einziehenden technischen Fortschritt einging.
Im ersten Teil hatte der Autor die einstigen Gemarkungsgrenzen, die unterschiedlichen Bodenarten, die Bebauung mit Straßen und Wegen dargelegt. Lang erinnerte im Vorspann daran, dass die heutige B 47 früher weiter östlich verlief und eben den gegenwärtig wegen einer geplanten Bebauung so heiß umstrittenen Alten Graben bildete, der sodann nach Verlegung der Trasse in westliche Richtung um etwa 1870 aufgefüllt worden ist. 10 000 Kubikmeter Erde sind damals von Hand bewegt worden.
Die Ernährungsgrundlagen von einst waren Land- und Forstwirtschaft sowie Viehzucht, die Tagelöhner betrieben meistens alle nebenbei eine kleine Landwirtschaft.Im übrigen waren in Dorf-Erbach eine Ziegelei, Feilenhauer, Schreiner, Steinmetze und Schuhmacher angesiedelt, es gab eine Kammfabrik und gar eine Damenschneiderei.Die Forstwirtschaft achtete nicht nur auf gute Baumbestände wie Fichten, Buchen und Mischkulturen, sondern auch darauf, selbst Samen für den Baumnachwuchs zu ernten und Jungstämme in Baumschulen heranzuzüchten. Wie schwer die Arbeit beispielsweise der Holzfäller und -rücker seinerzeit in den Wäldern war, geht aus den Schilderungen Langs lebhaft hervor.
Über gutes Wasser hatte Dorf-Erbach nie zu klagen, standen dem Dorf doch vier Quellen mit einwandfreiem Nass zur Verfügung. Allein die Preisentwicklung auf diesem Sektor mag Träume entfachen: Pro Person und Jahr waren in Vorzeiten zwei Mark zu entrichten, später fünf Mark. Heute, so ergänzte Lang den Fortschritt der Zivilisation, sind zehn Mark pro Kubikmeter für Wasser und Abwasser zu zahlen.
Ein weiteres Kapitel befasst sich mit dem Weg von Karbid und Petroleum zum Druck auf den Schalter, um elektrisches Licht herbeizuzaubern und eine wahre Revolution auf diesem Energiesektor hervorzurufen.
Früher wie heute waren und sind es größtenteils die Vereine, die für ein funktionierendes gesellschaftliches und kulturelles Leben sorgen. Dem Turnverein, der im nicht mehr existierenden Gasthaus “Dreiseental" seine Übungen abhielt, sind Abteilungen von Skiinteressenten, Handballern und Radfahrern angegliedert worden. Das Dorfgemeinschaftshaus mit seinen besseren räumlichen Möglichkeiten vermochte diese Entwicklung positiv zu fördern.
Nachdem die Chronik nicht vergisst, Sehenswürdigkeiten wie Erdbacheinschlupf und Dreiseental zu erwähnen, wird auch ein zahlenmäßiger Überblick über Häuser und Einwohner gegeben. So gab es vor rund 60 Jahren 53 Häuser mit 245 Personen, 1927 wurden 39 Wohngebäude mit 273 Menschen gezählt. Die letzte Statistik aus dem vergangenen Jahr nennt nur die Zahl der Einwohner: 1283.
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